Mein Tutorial Strickstoffe vernähen

Als ich diesen wundervollen Strickstoff von Lillestoff erhielt, war ich hin und weg. Er ist wunderschön und wunderbar weich, aber auch genau deswegen etwas tricky zum Vernähen.

Darum möchte ich euch ein paar Tipps und Tricks mitgeben, was ihr bei der Verarbeitung von Strickstoffen generell und im Speziellen für diesen Strickstoff beachten solltet.

Meine Helferleins

Folgende Dinge sind für das Vernähen von Strickstoffen unerlässlich: flexibles Nahtband z.B. von Vlieseline (alternativ auch aus Vlieseline H200 elastisch zugeschnittene Streifen mit 15 mm Breite), große Stecknadeln oder Clips, Rollschneider, Schere und natürlich passendes Garn.

Richtiges Vorwaschen

Als erstes solltet ihr euren Strickstoff vorwaschen. Um ein Ausfransen des Strickstoffes zu verhindern, müsst ihr ihn an den offenen Kanten unbedingt vor dem Waschen versäubern. Das könnt ihr entweder mit eurer Overlock oder mit einem größeren Zick-Zack-Stich eurer Nähmaschine machen.

Zum Waschen solltet ihr unbedingt Wollwaschmittel verwenden und das Wollwaschprogramm eurer Waschmaschine auswählen. Bitte keinen Weichspüler!

Damit sich der Strickstoff beim Trockenvorgang nicht verzieht oder gar ausleiert, sollte er unbedingt liegend trocknen. Ich habe dafür einen Flügelständer verwendet und den gewaschenen Strickstoff komplett darauf ausgebreitet.

Zuschneiden

Strickstoff lässt sich am besten liegend mit einem Rollschneider zuschneiden. Dazu benötigt man natürlich noch eine passende Schneidematte. Der Einfachheit halber sollten die einzelnen Schnittmusterteile die Naht- und Saumzugaben bereits beinhalten. Natürlich könnt ihr Strickstoff auch mit der Schere zuschneiden. Achtet dann aber darauf, dass der Stoff nicht verrutscht oder sich verzieht!

Nahtband

Für diesen Strickstoff ist das Aufbügeln und die Verwendung von Nahtband unumgänglich. Alternativ kann man auch zugeschnittene Streifen aus Vlieseline H200 verwenden, wobei dann darauf zu achten ist, dass die Streifen so zugeschnitten werden, dass sie elastisch bleiben.

Beim Aufbügeln des Nahtbandes an die Kanten der Schnittteile solltet ihr darauf achten, dass das Nahtband mit der Klebeseite auf den Stoff gelegt wird. Die Klebeseite ist optisch nur schwer erkennbar, aber man kann die raue Seite mit den Klebepunkten des Nahtbandes fühlen.

Besonders wichtig sind die Einstellungen des Bügeleisens. Die Funktion zum Dämpfen sollte ausgeschaltet sein. Gemäß Beschreibung ist die Temperatur des Bügeleisens auf zwei Punkte einzustellen. Das heißt, dass es sich hier um eine mittlere Temperatur handelt, bei der sich das Bügeleisen zwischen 130 und 150 Grad aufheizt. Sollte es zu heiß sein, könnte es leicht sein, dass das Nahtband schmilzt. Bei zu niedriger Temperatur verbinden sich die Klebepunkte des Nahtbandes nicht mit dem Stoff.

Bei längeren Schnittteilen empfiehlt es sich, vor dem Aufbügeln des Nahtbandes Maß an der Vorlage zu nehmen. So wird verhindert, dass die einzelnen Nähte entweder zu lang oder zu kurz werden. Außerdem ist ein Flusenroller recht praktisch, mit dem man vor dem Aufbügeln die Schnitteile säubern kann.

Das Aufbügeln des Nahtbandes erfolgt nicht durch typische Bügelbewegungen, sondern durch leichtes Andrücken bzw. Anpressen des Bügeleisens auf das Nahtband. Die Anpressdauer sollte ca. 6 bis 8 Sekunden betragen. Anschließend sollte das mit Nahtband bebügelte Schnittteil liegend auskühlen.

Einstellungen zum Nähen

Vorweg möchte ich noch erwähnen, dass ich zum Nähen von Strickstoffen grundsätzlich die Overlock verwende. Bevor ihr nun loslegt, müsst ihr allerdings noch die Einstellungen eurer Overlock überprüfen. Dazu nehmt ihr zwei Reststücke eures Strickstoffs und macht eine Probenaht. Meine erste Naht seht ihr auf dem linken Bild. Diese Naht habe ich mit normalen Einstellungen gemacht. Bei der rechten Naht habe ich schon die Einstellungen meiner Overlock angepasst. Zwar war die rechte Naht optisch in Ordnung, aber sobald ich daran zog, leierte sie aus. Demnach war klar, dass sich dieser Strick nicht ohne Nahtband nähen lässt.

Da auch das Nahtband flexibel ist, habe ich an meiner Overlock noch folgende Einstellungen zum Trimmen der Naht vorgenommen:
Differentialtransport auf ca. 1,5 (bei 3 Lagen Strick sogar auf 1,75) erhöht
Füßchendruck gelockert

Solltet ihr bei eurer Overlock zum Verstellen des Füßchendrucks so wie bei meinem Modell nur über einen einfachen Drehknopf ohne Anzeige verfügen, dann solltet ihr unbedingt vor dem Verstellen die derzeitige Höhe des Drehknopfes abmessen und aufschreiben, damit ihr später den Füßchendruck wieder auf genau diese Einstellung zurückdrehen könnt.

Wie ihr seht, passen diese Einstellungen für meine Overlock perfekt. Da aber jede Maschine etwas anders arbeitet, kann es sein, dass ihr geringfügig andere Einstellungen benötigt oder eventuell gar keine Änderungen am Differentialtransport oder beim Füßchendruck vornehmen müsst. Daher ist die Überprüfung anhand eines Reststückes für eure persönlichen Einstellungen unbedingt erforderlich.

Dämpfen

Habt ihr euer Werkstück fertig zusammengenäht und versäubert, dann wird es zu guter Letzt noch von der linken Stoffseite (Innenseite) gut mit Dampf gebügelt. Dazu stellt ihr euer Bügeleisen auf Wolle und schaltet den Dampf ein.

Strick ist für den Herbst/Winter einfach perfekt! Aber ein Kleidungsstück zu stricken dauert ganz schön lange. Viel schneller hat man etwas Schönes aus Strick genäht. Darum hoffe ich sehr, dass euch “Mein Tutorial Strickstoffe vernähen” weiterhilft und dann ziert auch euch bald so ein toller Strickmantel!

Ohne weitere Worte überlasse ich euch nun die Bilder unseres herrlichen Herbstspazierganges, auf den mich mein kuscheliger Strickmantel begleitet hat.

Processed with Focos

“Lebe so, dass du sagen kannst: 
Die Vergangenheit ist Geschichte, 
die Zukunft ist ein Geheimnis, 
doch dieser Augenblick ist ein Geschenk.” (aus dem Vedischen)

Und mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute und wünsche euch noch einen guten Start in die Woche! Bleibt gesund und bis bald, eure Janine.

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Kurz zusammengefasst:

Schnittmuster: Minna von Fadenkäfer
Stoff: Linksstrick in Grün (100 % Biobaumwolle) – wurde mir von Lillestoff zum Designnähen gratis zur Verfügung gestellt und erscheint am 11.11.2020

Hanging Leaves Red

Wow, was für eine Farbe! Ja, ich mag Rot total gern und das Beste, es passt auch zu mir. Darum habe ich mich total gefreut, als Biostoffe.at mir diesen Stoff aus ihrer Eigenproduktion zum Vernähen zukommen ließ. Zu dieser tollen roten Farbe gesellt sich auch noch dieses zarte grafische Design in Weiß mit dem herbstlichen Namen Hanging Leaves Red dazu. Einfach perfekt!

Hanging Leaves Red besteht aus Tencel-Jersey und ist wunderbar weich und absolut angenehm zu tragen. Eine sehr feine Stoffqualität, die ich bisher noch nicht kannte. Dieser Stoff lässt sich ähnlich wie Modal einfach verarbeiten, ist aber nicht ganz so rutschig.

Ich mag Kleider sehr, doch manchmal brauche ich einfach nur ein Shirt oder einen Rock. Warum also nicht Shirt und Rock separat nähen, damit sie dann zusammen wie ein Kleid aussehen? Darum habe ich mich dieses Mal gegen ein Kleid entschieden.

Und zusammen getragen sieht es dann ohnehin wie ein Kleid aus. Finde ich total klasse! Genäht habe ich mir das Shirt/Kleid Gaia von Mirastern. Da Ober- und Rockteil durch ein Büdchen getrennt sind, habe ich genau dieses auch für die Teilung genutzt.

Das Shirt habe ich grundsätzlich nach Anleitung genäht, jedoch habe ich das Vorderteil im Bruch und nicht wie vorgesehen geteilt zugeschnitten. Für den kleinen Schlitz habe ich mir einen Beleg gebastelt. Damit ich das Shirt dennoch problemlos in Hose oder Rock stecken kann, habe ich auf das Bauchbündchen verzichtet und stattdessen um diese Breite verlängert.

Der Rock ist genau das Rockteil vom Schnittmuster mit Bauchbündchen, wobei ich das Bündchen etwas enger zugeschnitten habe, damit es gut sitzt.

Das war es für heute mit dem offiziellen Teil meines Beitrages. Ich habe jetzt noch ein paar Zeilen geschrieben, die mir aus aktuellem Anlass sehr am Herzen liegen.

Heute trage ich Rot-Weiß-Rot – die Farben unserer Nation! Das sage ich voller Stolz, auch wenn das nicht immer so war. Nicht, dass ich das Land nicht mochte. Aber, obwohl ich schon seit einer Ewigkeit hier in Österreich lebe, konnte ich mir lange Zeit nicht vorstellen, die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

Der Beginn war recht schwierig. Zu oft legten uns damals die Behörden Steine in den Weg. Dennoch die Basis hat gestimmt und es gab Menschen, die mir eine Chance gaben und an mich glaubten. Die mir mit Respekt begegneten, weil es ihnen egal war, von wo ich her kam. Und im Laufe der Zeit kamen auch neue Freunde, ein toller Job, eine liebe Familie dazu und so wurde dieses schöne Land mein zu Hause.

Als mein Sohn dann unterwegs war, machte ich dann doch endlich den Schritt zum Amt und beantragte die Staatsbürgerschaft. Heute fühle ich mich so sehr verbunden mit all den vielen verschiedenen (auch sprachlichen) Facetten, den wunderbaren Landschaften, der Mentalität und den liebenswerten Menschen dieses großartigen Landes. Ja, ich bin heute gerne und uneingeschränkt Österreicherin!

Natürlich fehlt mir meine Heimat, die ich leider viel zu selten besuchen kann. Ich bin zwar nur aus dem Nachbarland zugereist, dennoch gab es Unterschiede, die es mir nicht immer leicht machten. Nur mit Akzeptanz und Toleranz all den fremdartigen Dingen gegenüber war es auch für mich möglich, dass es sich hier irgendwann nach Heimat angefühlt hat.

Um so weniger kann ich verstehen, dass Menschen hier einreisen und leben, und doch so wenig von diesem Land und seinen Menschen verstehen und lernen wollen. Stattdessen hassen und verachten sie alles so sehr, dass sie eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzen und unschuldige Menschen ermorden. Egal wie religiös man ist, aus meiner Sicht rechtfertigen diese Taten absolut gar keine Religion.

Angesichts der dramatischen Ereignisse am Montag musste ich das einfach mal loswerden! Ganz egal, ob diese Tat verhindert hätte werden können oder nicht – wer hier in Österreich lebt und all seine Vorzüge genießt, der sollte dieses Land auch achten und respektieren. Wir sind ein demokratisches Land und wir stehen zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten. Und mit Überzeugung kann ich sagen: I am from Austria!

In diesem Sinne wünsche euch noch eine schönes Wochenende und bis bald, eure Janine.

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Kurz zusammengefasst:

Stoff: Tencel-Jersey Hanging Leaves Red – Eigenproduktion für Biostoffe.at -wurde mir gratis von Biostoffe.at zum Vernähen zur Verfügung gestellt

Schnittmuster: Gaia von Mirastern (Rock und Shirt getrennt genäht)

Fotos:

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Fotos: Fotogeschichten Gerl

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